Eine Aufzeichnung für im Internet googelnde Möchtegern-Elektriker
Pünktlich zum neuen Jahr verweigerte unsere Waschmaschine den Dienst. Fluten und lenzen ging noch, auch leuchteten noch alle LEDs, die beim Einschalten leuchten sollen, aber die Trommel wollte sich weder vor noch zurück bewegen und die letzte Waschladung lag noch ungeschleudert in ihrem Inneren.
Was macht also der Ingenieur im Haus? Er ruft den lokalen Service an, weil er nicht die geringste Neigung verspürt, sich in seinem Urlaub länger mit einer defekten Haushaltsmaschine zu beschäftigen. Leider hatte der Reparaturservice wohl einen Tag nach Neujahr eine ähnliche Einstellung wie ich. Keiner nahm dort das Telefon ab. Also musste ich doch ran.
Zum Glück bot der Unwillen des Service Zeit zu einer Reflektion und eine Überschlagsrechnung brachte mich zu dem Ergebnis, das schon das alleinige Erscheinen des Service leicht ein Viertel des Preises einer neuen Waschmaschine kosten könnte. Das war genug Motivation.
Ein bisschen weiteres Überlegen, dunkle Erinnerungen an das vierte Semester der Grundlagenvorlesung Elektrotechnik und ein wenig Googeln nährte einen Verdacht: nach sieben Jahren Betrieb bei einer mittlerweile fünfkopfigen Familie könnte es sein, dass die Kohlebürsten mittlerweile verbraucht sind.
Eine halbe Stunde später war der Motor ausgebaut und siehe da: von den Kohlebürsten war nicht mehr viel übrig. Das nebenstehende Foto zeigt die kümmerlichen Reste im Vergleich zu den neu beschafften Ersatzkohlen. Ich hatte mich übrigens dafür entschieden, nicht die ca. 40 € teuren “Originalkohlen” von Siemens zu bestellen, sondern lieber auf einen mit 5 € doch dramatisch viel günstigeren “Kohlenachbau” zurückzugreifen, der gleich von einer ganzen Schar Händler auf ebay angeboten wird.
Beim Anbringen der neuen Kohlen sollte man übrigens ein wenig Geduld mitbringen, denn die Feder läßt sich nur mit sehr viel Geschicklichkeit in die Kohlenhalterung drücken. Ein paar lange und spitze Gegenstände (bei mir hat ein Zahnstocher den Job erledigt) können dabei hilfreich sein.
Um die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen: nachdem der Motor wieder eingebaut, alle Kabel verbunden und alle Schrauben verschraubt waren, lief der Motor wieder wie am Schnürchen. Auf weitere sieben Jahre – bis zum nächsten Kohlentausch.
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