Lesch ist zurück zu seinen Wurzeln – fast

Harald Lesch steht erklärend in der Studioeinrichtung zu „Leschs Kosmos“

Mehr als drei Jahre ist es her, dass ich an dieser Stelle berichtet habe, das Alpha Centauri, die viertelstündliche Vorlesung über Astrophysik, allgemeinverständlich gehalten von Harald Lesch, abgesetzt wurde.

Mittlerweile ist viel passiert: Lesch moderiert heute für’s ZDF. Hauptsächlich die Sendung abenteuer forschung, wo er den in den verdienten Ruhestand gegangenen Joachim Bublath ersetzt. Zwar hat er die Sendung sehenswerter gemacht, und ab und zu werden auch recht interessante Themen angegangen, letztendlich bildet hier Lesch aber nur den – immerhin eloquenten – Rahmen um eine Redaktion die einen Hang zu reizüberflutenden quietschbunten Einspielfilmchen und
Animationen hat und damit die Sendezeit verstopft. Eigentlich kann man während dieser Zeit der Schnittgewitter getrost den Bildschirm verdunkeln und dann der wenigstens manchmal Information liefernden sonoren Off-Stimme lauschen.

Immerhin hat Lesch dem ZDF einen ca. zehnminütigen Kommentar zu jeder Sendung mit dem Titel „Übrigens …“ abgerungen, der aber leider nur online verfügbar ist, und so sicherlich dem Großteil der Zuschauerschaft von abenteuer forschung verborgen bleiben dürfte. In diesen zehn Minuten darf Lesch machen, was er am besten kann. Mit Worten und Gesten erklären und erläutern und das ist oftmals interessanter und höhrens(!)werter, als die gesamte vorangegangene Sendung.

Auf dem neuen Kanal des ZDF namens „neo“ läuft nun seit Anfang des Jahres eine weitere Sendung namens „Leschs Kosmos“, mit der er dem Sendekonzept von „alpha centauri“ wieder nahe kommt. Hier darf Lesch wie früher fünfzehn Minuten frei über ein Thema aus der
Wissenschaft (meist wieder der Astrophysik) referieren, ohne das ihm Filmeinspieler und Animationen ins Wort fallen.

Allerdings gibt es leider auch einige Wermutstropfen. Der kleinste ist noch der Kameramann Benny, der von Lesch öfter mal angesprochen wird oder ihm gar ins Wort fällt. Er fungiert im Sendekonzept quasi als Messgerät für die Folgefähigkeit des Publikums und soll Lesch wohl vor dem Abheben bewahren. Diese Funktion hat wohl auch Leschs Wortwahl, die um einiges salopper als bei alpha centauri ausgefallen ist. Das belastetet leider das ein oder andere Mal den Informationsfluß.
Schlimmer ist dann schon die Farbwahl im Studio. Lesch, selber im orangenen Pullover, positioniert als running gag zu Beginn der Sendung einen Hill House Stuhl von C.R. Mackintosh im Studio, meist ohne sich jedoch auch darauf zu setzen, sondern er stellt sich dann schon lieber an einen orangefarbenen Stehtisch. Was nicht orange ist im Studio ist dann weiß. Insgesamt ist das für die Augen
des Betrachters recht anstrengend, aber es kommt bei der Sendung ja nicht auf das Gesehene sonder auf das Gesagte an.
Besonders unschön auch sind die häufigen Textpassagen, die jeweils mit einem Soundeffekt ein- und wieder ausgeblendet werden. Selten sind sie jedoch der Sache dienlich, außer sie versuchen soeben in den Raum geworfene Zahlen zu veranschaulichen. Sonst nerven sie jedoch meist nur und lenken von den Worten Leschs ab.

Die Kritikpunkte oben seien erlaubt. Sonst aber hat sich das ZDF eine Sendung ins (Nischen-) Programm genommen, die eine der wenigen Rechtfertigungen für die Zahlung der Rundfunkgebühren ist und die ihrem Original „alpha centauri“ erfreulich nahe kommt.

Ein Gedanke zu „Lesch ist zurück zu seinen Wurzeln – fast

  1. Also ich muss mal eine Lantze für den Herrn Lesch brechen. Ich finde er macht das richtig gut und wie du schon bemerkt hast deutlich besser als Joachim B. Ich denke es ist einfach das Konzept, dass eine Überarbeitung bedarf.

    Wissenschaft und Fernsehen – geht nunmal nicht so richtig gut zusammen. Aber in diesem Fall ist es nicht die Schuld des Moderators, der holt alles aus der Sendung raus.

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