Die Sünderin

Ich bin gerade zurück aus dem Kino, wo es eine leicht zerschrammte Aufführung von „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef gab. Bekannt ist der Film anscheinend vor allem für die erste Nacktszene in einem deutschen Spielfilm.

Die Szene, in der die Knef vor ihrem Malerfreund posiert ist ungefähr 3 Sekunden lang und von unsagbar schlechtem Kontrast, so das die Aufregung nun wirklich nicht der Rede wert ist. Auch nicht vor 50 Jahren.

Vielmehr erstaunt hat mich, das der Film ein Thema behandelt, das gerade jetzt wieder brandaktuell ist. Es
geht um die aktive Sterbehilfe. Knefs Malergeliebter erblindet zum Schluss des Films, weswegen sie ihm, da er ja als Maler so nicht weiter existieren kann, ein komplettes Röhrchen Schlaftabletten in den Champagner kippt. Nach kurzem Innehalten wirft sie sich dann gleich auch noch eine Packung ein und überlegt beim Wegdämmern noch schnell „Huch, Selbstmord, die schwerste Sünde, ob Gott mir wohl verzeiht?“.

Das man sich da in den 50er Jahren nur über die Nacktszene aufgeregt hat, kann ich ja gar nicht glauben.

Nachtrag: Habe gerade festgestellt, das sich die damals katholische Kirche auch über die im Film dargestellten Themen Freitod und Prostitution heftigst aufgeregt hat. Na dann ist ja alles in Ordnung.

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